Die ersten Postboten
Bereits vor über 2500 Jahren richtete König Darius im Perserreich die erste Post mit Boten ein. Das „Angareion“ genannte Postwesen wurde mit einem Stafettensystem organisiert. Diese Post stand nur dem König, sowie den staatlichen und militärischen Behörden zur Verfügung.
Die erste Post auf europäischen Boden wurde im letzten Jahrhundert vor Christus durch Kaiser Augustus eingeführt. Er ordnete an, dass ganze Reich in seiner gesamten Ausdehnung durch die
Staatspost abgedeckt wurde. Diese Post übernahm die persische Erfahrung und setzte sie auf römische Verhältnisse um. Der „Cursus Publicus“ genannte Postdienst berührte und durchquerte auch die
Schweiz nämlich über den Grossen St. Bernhard und Julier. Mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches verschwand das organisierte Postwesen von der Bildfläche. Erst im Mittelalter wurde das
Botenwesen neu aufgebaut.
Die Erfordernisse der Staatsverwaltung und die gegenseitigen Beziehungen zwischen befreundeten oder
verbündeten Staaten brachten es mit sich, dass die Regierungen sich zur Übermittlung von Nachrichten ständiger Boten bedienten. Auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft sind die ersten solcher
Botendienste bereits im 14. Jahrhundert als eine bestehende Einrichtung bekannt.
Es waren dies die von Amtes wegen angestellten Standesläufer oder sogenannten «louffenden Botten». Sie vermittelten den Briefverkehr der regierenden Obrigkeit innerhalb des eigenen
Staatsgebietes, reisten aber auch über die Landesgrenzen hinaus in fremde Staaten und Länder. Als Abgesandte und offiziell Beauftragte ihrer Obrigkeit fanden sie überall, wo diese selbst bekannt
war und gute Beziehungen unterhielt, freundliche Aufnahme und wurden auf ihrer Durchreise durch befreundete oder verbündete Orte gastfrei gehalten. Solche weitreichenden Botenläufe sind uns aus
dem 14. Jahrhundert, beispielsweise von Bern aus nach Basel, Zürich, Genf, Sitten, nach Savoyen, Konstanz, Feldkirch, Mühlhausen, Strassburg, ja sogar nach Frankfurt und Paris, bekannt.
Zwar wurden auch von einzelnen Kaufleuten und Handelsgesellschaften Briefbestellungen angenommen und Botendienste eingerichtet. Oft wurden auch Metzger für solche Dienste benutzt. Berufsbedingt kamen Metzger weit herum und waren sowohl in den Städten, als auch auf Bauernhöfen und
Märkten anzutreffen. Die Hörner von geschlachteten Tieren dienten zum Verkündigen der Ankunft und waren somit die Vorläufer der später üblichen blechernen Posthörner.
Doch genossen die obrigkeitlichen Läufer dank ihrem amtlichen Charakter größere Sicherheiten. Ausserdem boten sie den Vorteil grössere Schnelligkeit, da die Kaufleuteboten sich nach den Messebesuchen oder den Warentransporten richten mussten, die Standesläufer dagegen jederzeit zur besonderen Verwendung bereitstanden.
Die Standesläufer waren Amtspersonen. Sie repräsentierten die Macht und das Ansehen des Herrn, in dessen Dienst und Auftrag sie reisten. Daher waren sie auch durch besondere Wahrzeichen
ausgewiesen. Auf ihrem Wams trugen sie, als äußeres Kennzeichen ihrer Herkunft, das Wappen ihres Standes oder Kantons. Seit dem 15. Jahrhundert wiesen auch ihre Kleider die Standesfarben auf, wie
das bei den Standes- oder Ratsweibeln der Fall war.
Die Briefe oder Botschaften, die von den Standesläufern übermittelt wurden, waren in hölzerne oder silberne Büchsen eingeschlossen. Diese Briefbüchsen selbst waren ebenfalls mit den Standesfarben
versehen. Als Ehrenzeichen eines souveränen Staates genossen sie eine Wertschätzung und ein Ansehen, wie es einem staatlichen Hoheitszeichen selbst, einem Staats- siegel oder einem Banner
zukam.
Der solchermaßen ausgestattete und gekennzeichnete Standesläufer war unverletzlich. In seiner Person wurde seine Obrigkeit selbst geehrt. Er durfte nicht behelligt werden und genoss überall, auf
den Strassen und in den Städten, freien Durchpass und sicheren Geleitschutz. Sein Briefgeheimnis durfte nicht verletzt, die Siegel der Briefbüchse oder der Brief selbst nicht aufgebrochen werden.
Kamen Belästigung oder schimpfliche Behandlung vor, dann wurde dies als eine dem Stande selbst angetane Schmach mit strengen Strafen geahndet. Ein Mord oder Totschlag an einem Standesläufer
konnte sogar Anlass zu kriegerischer Vergeltung werden.
Als Amtsperson war der Standesläufer vereidigt. In seinem Amtseid waren seine Pflichten und Aufgaben genau umschrieben und außerdem in besonderen Vorschriften und Bestimmungen ausführlich
festgesetzt. Er musste schwören, seinen Herren und Oberen treu und redlich zu dienen, ihren Nutzen zu fördern und Schaden versuchen zu verhindern, sich jederzeit, wenn erforderlich auch nachts,
zum Dienst einfinden. Er hatte ein mässiges und bescheidenes Leben zu führen, durfte weder spielen noch sich betrinken, sich unterwegs nicht unnötig aufhalten, musste verschwiegen sein und die
ihm anvertrauten Dinge getreulich hüten und bewahren. Wegen Versäumnis und Nachlässigkeit konnte er, seines Amtes entsetzt und sogar mit Gefangenschaft bestraft werden. «Welcher dan gar sumselig
werde oder truncken in die Cantzley keme, dem mag für ein Monat lang das Röckli abgezogen und diese Zeit ihme sein Wartgeld inbehalten werden»,
so lautete eine Berner Vorschrift aus dem 17. Jahrthundert.
Der Läuferdienst war ein festbesoldetes Staatsamt. Die Läufer standen im vereidigten Dienst des Rates oder ihrer Obrigkeit. Andererseits mussten sie aber auch für den privaten Botendienst zu Verfügung stehen und laut ihrem Amtseid einem jeden Bürger für den gleichen Lohn, den sie auch von der Stadt erhielten, Briefbestellungen ausführen. Nicht selten wurden ihnen, als besonderen Vertrauensleuten, der Einzug von Zinsen oder Schulden und die Übermittlung von Geldern übertragen. Als Lohn erhielten sie für jede Meile Weg eine festgesetzte Entschädigung, für jeden Tag ein Wartegeld und dazu freie Verköstigung.
Standesläufer Luzern
Über längere Distanzen und vor allem für die Beförderung von Nachrichten über die Alpenpässen bedurfte es zusehends einer besseren Infrastruktur, wie Herbergen, Stallungen und Remisen. Briefe und Personen wurden etappenweise transportiert und man machte Halt an speziell dafür eingerichteten Posten. Daraus entwickelte sich später die Bezeichnung „Post“.
Durch das Aufblühen der Städte und mit vermehrtem Handel vergrösserte sich auch die Nachfrage nach einem verlässlichen und reglementierten Nachrichtensystem. Es waren Kaufleute, welche im ausgehenden Mittelalter dann erstmals eine organisierte Poststrecke einrichteten. Diese führte von St. Gallen über Zürich, Solothurn, Avenches, Lausanne, Genf bis nach Lyon.
Das Postwesen war vorwiegend in privaten Händen. In der Ostschweiz übte die Familie Thurn und Taxis eine Vormachtstellung aus und in Bern war die 1675 gegründete Fischerpost sehr erfolgreich.
Die Schweizer Post
Im Zuge seiner vielen Reformen ordnete Napoleon auch das Postwesen nach dem Vorbild der französischen Feldpost neu. Es wurden einheitliche Tarife und Uniformen für die Postboten eingeführt und die Kantonalpoststellen verschwanden, wurden allerdings nach kurzer Zeit wieder eingeführt, da es wegen der lokalen Unterschiede für eine Vereinheitlichung des Postwesens noch zu früh war. Der noch viel stärker ausgeprägte „Kantönligeist“ des frühen 19. Jahrhunderts und nur schon das Umrechnen der verschiedenen Währungen war für die armen Franzosen des Guten zu viel .
Beispiel:
1 Franken = 100
Rappen = 10 Batzen = 4 Kreuzer
1 Zürcher Gulden entsprach 2/3 Schweizer Franken
1 Gulden = 40 Schillinge = 480 Heller
Briefträgeruniformen v.l.n.r. 1900, 1980, 1870, 1950
Mit der Gründung des Schweizer Bundesstaates 1848 war es dann für
die verschiedenen kantonalen und privaten Postbetriebe endgültig vorbei. Alles wurde mit «Mann, Ross und Wagen» vom Bund übernommen und vereinheitlicht.
Die neue Postorganisation teilte das Gebiet der Schweiz in elf Postkreise. Luzern war Kreis
07.
Das Postregal unterstellte Briefe und verschlossene Sendungen bis zehn Pfund dem Postzwang. Die Einschreibbriefe erhielten den Stempel «Chargée». Schon im August 1849 wurde der Nachnahmeverkehr eingeführt.
Auch die regelmässige und periodische Beförderung von Personen war überall dort den Postanstalten vorbehalten, wo keine konzessionierten Eisenbahnen bestanden. Die privaten Botenkurse durften nun nur noch offene Sendungen oder schwere Gepäckstücke befördern.
1850 traten schweizerische Briefmarken an die Stelle der bis dahin gültigen kantonalen Wertzeichen. Im März 1850 kamen «Frankozetel» für zweieinhalb Rappen (Ortspost) in den Verkehr, ab 1. Oktober 1850 dann solche zu 5 und 10 Rappen. Im Jahre 1851 beförderte die Post schweizweit gegen 450`000 Reisende und 15 Millionen Briefe, im Jahre 1859 bereits 750`000 Reisende und 27 Millionen Briefe nebst 18 Millionen Zeitungen
Während 150 Jahren entwickelte sich die Schweizer Post zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution. In nahezu jeder Gemeinde, und sei sie noch so klein, gabe es ein Postdienststelle.
Hier konnte man neben der Aufgabe von Briefen und Paketen auch seine Finanzgeschäfte erledigen und meist auch telefonieren.
Als Vertrauensperson lieferte der Briefträger monatlich sogar die AHV Renten ins Haus.
Auf die letzte Jahrtausendwende hin standen jedoch gewaltige Veränderungen an.
Renditedenken und gesellschaftliche Veränderungen führten zu einer Privatisierungspolitik. So wurde 1997 der Bundesbetrieb PTT aufgelöst und die Sparten Telekommunikation (Swisscom), Postfinance und die eigentliche Post voneinander getrennt. Liberalisierung des Postmarktes wurde damit eingeläutet und die einzelnen Geschäftsbereiche müssen hochrentabel arbeiten.
Ab 31.12.2016 wird der Postbote auch keine AHV Auszahlungen mehr tätigen.
Der kleine Schwatz mit dem Pöstler gehört wohl bald ganz der Vergangenheit an.
Nicht nur die vielen Angestellten mussten mit zahlreichen Umstrukturierungen zu Recht kommen, auch für die Verbraucher brachte dies Neuerungen mit sich:
Nach und nach verschwanden die Telefonkabinen aus unserem Ortsbild und mit Ihnen auch die beliebten Telefonbücher. Während man früher eine beliebige Kabine betreten und eine gesuchte Adresse aus dem Telefonbuch herausschreiben konnte, benötigt man heute nahezu digitale Vorkenntnisse um an die gewünschte Information zu gelangen.
Die einschneidendste Veränderung ist jedoch die allmähliche Schliessung von vermeintlich unrentablen Postfilialen.
Gemäss Bericht der Luzerner Zeitung vom 20.1.2017 werden 38 von 51 Poststellen im Kanton Luzern geschlossen.
Zeitungsausschnitt vom 20.1.2017
Demnach bleibt am Ende dieses Prozesses im Amt Sursee nur noch die Stadt Sursee als Standort übrig.
Das Postwesen in Büron
Im Staatsarchiv sind die Unterlagen über die Poststelle Büron von 1820 – 1848 aufbewahrt.
Dem Verhandlungsprotokoll vom Dezember 1820 ist zu entnehmen, dass die Postablage von Büron an Herrn Jakob Büeler, Sagi übertragen wurde. Jakob Büeler war damals Gemeindeammann von Büron, Grossrat und später Oberamtmann des Amtes Sursee und wohnte am Dorfbach neben der alten Sagi. 1841 übergab Jakob Büeler das Amt an Franz Josef Stocker. Als Berufbezeichnung wird Exerziermeister angegeben, was heute ungefähr dem Rang eines Unteroffiziers entspricht.. Später ist Stocker dann Fürsprech und Notar. Er heiratete 1849 Catharina Arnold von Schlierbach. Das Führen der Poststelle war also eine wichtige Vertrauensposition.
Über Jahrzehnte blieb das Postwesen fest in den Händen der Stockers. 1850 baut Franz Josef Stocker an der Luzernerstrasse eine neue Poststelle. Sie wurde von seinem Sohn Balthasar Stocker weitergeführt, welcher zuvor auf der Post Basel gearbeitet hatte. Dessen Sohn wiederum, Ludwig Stocker, baute schliesslich das stattliche Postgebäude an Bahnhofstrasse.
„Eine Postablage von Büron für den Herrn Jakob Bühler, Sagi, alleda übertragen..."
Historische Inschrift über dem Eingang zur alten Post: BA / STO für Balthasar Stocker (Privatbesitz Theo Lütolf, Büron)
Foto von 1936: Die von F.J. Stocker im Jahre 1850 gebaute erste Poststelle an der Luzernerstrasse. Das Gebäude wurde von Jakob Lütolf erworben und wurde 2022 zurückgebaut.
Briefmarkenrarität von Büron vom 28.11.1853
Franz Josef Stocker-Arnold haben wir drei gut erhaltene Sammlerstücke aus dem Jahre 1853 zu verdanken.
Briefe mit Gebührenbeilagen für ein Begehren auf Einleitung eines Konkurses oder einer Betreibung (also an einen Botenweibel) waren mit der Fahrpost zu spedieren. Bei solcher Post des Botenweibels an die Schuldner oder Gläubiger wurden die Amtsgebühren mittels Nachnahme erhoben. Solche Briefe unterlagen an sich der normalen Briefpost. Nicht so aber offenbar im Kanton Luzern, wo auch solche Briefe mit der Fahrposttaxe belegt worden sind.
Das Amt des Gemeindeammannes und Botenweibels beinhaltete im Kanton Luzern eine Doppelfunktion. Nebst jener als Gemeindeammann lag in den Händen des Botenweibels das Betreibungs- und Konkurswesen. Das Amt wurde in jener Zeit in Büron von J. Meyer ausgeübt.
Der damalige Posthalter Josef Stocker hat die Abläufe (wahrscheinlich unter Zeitdruck) zu rationalisieren versucht und die Marken kurzerhand vorgeschnitten. Daher sind fast ausnahmslos alle solche Briefe mit einer ganzen und einer anhängenden halben Rayon II frankiert.
Die halbierte Rayon II- Briefmarken aus Büron haben Seltenheitswert und sind mittlerweile gegen 8000,-- SFr. wert.
Auf diesem Foto aus dem Jahre 1913 sehen wir die geschmückte Postkutsche Triengen- Sursee vor dem neuen Postgebäude v.r.n.l. Ludwig Stocker, Posthalter. Julius Bühler, Briefträger. Anton Weltert, Aushilfe.
Über viele Jahre beherbergte das Gebäude eine Filiale der Triba Partner Bank. Heute heisst das Gebäude Delta-Huus und ist ein Ort für begleitetes Wohnen.
Der letzte Posthalter der „Stocker-Dynastie“ war der ledig gebliebene Walter Stocker, 1902 – 1967.
Er übergab den Postbetrieb 1967 an den Sohn seiner Schwester, Lino Robertini, womit das Amt sozusagen in „Tessiner“ Hände überging. Lino u. Alice Robertini- Häfliger führten die Poststelle Büron bis 2005.
1968 wurde der heutige Postanbau erstellt und in das Hauptgebäude zog die Triba Partner Bank.
Zwischen 2005 und 2017 wurde der Postbetrieb von verschiedenen Konzessionären geführt und zuletzt von Sursee aus.
Lino Robertini- Häfliger (1943-2020) Posthalter von 1968 bis 2005
Die Poststelle Büron vor ihrer Schliessung im März 2017
Die Büroner Briefträger: Julius Bühler (1879*-1955+); Fredy Wyss (1927*-2004+); Alois Haas (Briefträger bis 2011); Postteam Triengen
Am 23. März 2017 nun wurde die vertraute Poststelle an Bahnhofstrasse endgültig geschlossen und die Postagentur im VOI der Migros AG im neuen Sagipark eröffnet. Mit diesem Schritt der Teilprivatisierungen kehrt die Schweizerische Post quasi wieder zurück zu den Anfängen, als Postangelegenheiten ebenfalls von privater Hand erledigt wurden.
Die Bevölkerung von Büron weiss auf jeden Fall zu schätzen, dass es auch weiterhin noch eine Möglichkeit gibt, die Postge-schäfte im Dorf zu erledigen. April 2017 V.S.