Käsereigenossenschaft Büron 1875-2012
Im Jahr 1875 gründeten 14 Bauern von Büron mit einem Gesamtbestand von 46 Kühen die Käsereigesellschaft (später Käsereigenossenschaft) Büron. Sie wollten die Milch, die sie nicht selber benötigten, gewinnbringend verwerten und dazu war eine gemeinsame Käseproduktion die beste Möglichkeit.
Die erste Dorfkäserei im Anbau, rechts neben dem Gasthaus zur Sonne
Gründungsurkunde der Käsereigenossenschaft
Bau der Käserei 1913 ca.1935: v.l.n.r.: 2 Angestellten, Hans (Sohn), Ernst Ammeter sen.,
Margrith (Tochter), Marie Ammeter, Ernst (Sohn)
Käsereiversammlung: v.l.n.r: Lütolf (Käsehändler), Ernst Ammeter (Käsemeister), Franz Steiger (Käser)
Käsermeister Hans Ammeter (1927*- 2017+) war zudem über viele Jahre Gemeindepräsident von Büron
Als erste Produktionsstätte mieteten sie einige Räume im Anbau des Gasthaus Sonne. Die Genossenschaft wuchs und im Jahr 1911 wurde ein Neubau beschlossen und mit viel Fronarbeit wurde das Käsereigebäude für Fr. 73'000 erstellt. In jener Zeit herrschte in Büron ein besonderer Bauboom, wurden doch nebst der Käserei das Schulhaus Burg, die Post und die Surentalbahn gebaut.
Am 1. Mai 1912 verkaufte die Genossenschaft die Milch an Johann Ammeter und dieser begann die Käseproduktion im neuen Gebäude. Somit haben 4 Generationen Ammeter die Milch in Büron während fast 100 Jahren zu Käse verarbeitet.
Im April 1913 wurde der Milchpreis 16.1 Rp. ausgehandelt bei einem Käsepreis von 98 Fr./100 kg. Der Hüttenzins für das Sommerhalbjahr betrug 2200 Fr. Die Zahl der Mitglieder stieg ständig an und betrug im Jahre 1944 total 60 Genossenschaftsmitglieder.
Nach den Kriegsjahren und besonders wegen den Meliorationsverbesserungen (Surenkorrektion Entwässerungen und Güterzusammenlegung) stieg auch die Milchproduktion stetig an. Die Käserei wurde immer wieder vergrössert und modernisiert, so dass zuletzt täglich 5 Emmentalerkäse zu 100 kg produziert werden konnten.
Im Jahr 1990 betrug der Milchgrundpreis 108 Rp. Auch die Landwirtschaft blieb nicht stehen. Es wurde intensiv produziert bis dann Milchschwemme und Butterberg zum Preisdruck auf Milch und Käse führten.
Die Änderungen durch die internationalen Gatt- Verträge und die Landwirtschaftspolitik mit der Eliminierung der Käse-Union und die Umkehr von den Produktesubventionierung zu den Direktzahlungen liessen die Käseexporte sinken und viele der gewerblichen Dorfkäsereien mussten ihre Produktion aufgeben, so auch die Bürer Chäsi.
Käsereikeller
1958_Käseküche mit 4 Kessel nach Umbau und Erweiterung Käsermeister Werner Kuster im Salzbad
Links und Mitte: Der Käsereiladen im Jahre 1990; Käsereifamilie Ammeter l. n.r.: Hans Senior, Heinz mit Frau Luzia, Alice
Ausflug der Käsereigenossenschaft von 1951
Die 137-jährige Geschichte der Käsereigenossenschaft Büron war geprägt von wirtschaftlichen Höhen und Tiefen. Sie war auch prägend für das gesellschaftliche Leben der Bauernschaft aber auch der ganzen Bevölkerung von Büron. Die tägliche Milchablieferung war für die Bauern immer auch ein Treffpunkt, wo Neuigkeiten ausgetauscht und geschäftliche Angelegenheiten besprochen wurden.
Die monatlichen Milchzahlungen in einem Restaurant dienten auch immer der Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen und waren immer ein geselliger Anlass im meist harten Alltag der Bauern. Besonders auch der jährliche Milchhandel war ein wichtiger Anlass mit meist schwierigen Verhandlungen mit dem Käser, um Hüttenzins, der für die Amortisation von Anlagen und Gebäuden nötig war und dem Ortszuschlag, den die Bauern zum Grundpreis erhielten. Auch dieser Anlass endete meistens in geselliger Atmosphäre. Ein besonderer Höhepunkt im Jahr war die jeweilige Käsi-Reise, bei der in den besten Zeiten mit über 100 Personen, in bis zu 3 Autocars möglichst lange Fahrten unternommen wurden. Im Jahr 1951 fuhr man beispielsweise über den Gotthard, Lukmanier und Oberalp. Juni 2017 A.V-H.