Der Burghügel
Die Herrschaft Büron (1130 und 1455)
Mit der Erwähnung von Vater und Sohn „Chono und Liutold von Burron“ in einer Stiftungsurkunde des Klosters Einsiedeln vom 11. Januar 1130 erscheint erstmals die Ortsbezeichnung. Das Geschlecht benannte sich später in die „Freiherren von Arburg“ um und herrschte über das gesamte Surental. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts ging die Aarburg bei Olten von den Frohburgern in den Besitz der Freiherren von Büron über, die sich in der Folge als Freiherren von Arburg bezeichneten. Die Burg stand an exponierter Stelle auf dem Burghügel. Von hieraus hatte man einen hervorragenden Überblick und es liess sich die gesamte Nord-Südachse kontrollieren. Die heutige Strasse von Sursee nach Triengen gab es noch nicht. Sämtlicher Verkehr musste durch eine Furt im Dorfbach, den Berg hinauf direkt an der Burg vorbei und dann entlang dem Burgwäldli (beim Kindergarten) Richtung Triengen.
Ansicht der Burgruine im Jahre 1818
Mutmassliches Aussehen der Burg
Zeichnung von Josef Zelger aus dem Jahre 1853
Deutlich ist sichtbar, dass inzwischen viele Mauersteine abtrans-portiert worden sind
Grundriss der alten Burgruine aus dem Jahre 1890 mit der Lage des heutigen Schulhauses und der alten Strasse Sursee-Triengen
Seit 1260 war das Chorherrenstift Beromünster Lehnsherr über Burg und Kirche zu Büron, verlieh aber alle Rechte auf Lebenszeit an die Freiherrschaft.
Historisch pflegte man vor allem gute Beziehungen zum Hause Habsburg. Schlossherr Rudolf I. von Arburg unterhandelte 1315 nach der Schlacht von Morgarten gar den Waffenstillstand. Geschickt hielt er sich aus den Zwistigkeiten mit der Waldstätte heraus und kam um eine Teilnahme an der Schlacht bei Sempach herum. Um es sich weder mit Habsburg, noch mit der Eidgenossen zu verscherzen unternahm er kurzerhand eine Pilgerreise nach Jerusalem. So kam es, dass die Burg von Büron von den Eidgenossen verschont wurde, während sämtliche anderen Herrensitze weitherum zerstört wurden: die Burgen Triengen, Schenkon und Willisau wurden geschliffen, allein von der Burg Castelen (Alberswil) stehen heute noch Überreste.
Einzig ein späterer Streit mit der Stadt Sempach führte zu einer Belagerung und teilweisem Brand der Burg.
Die Feste Büron samt Land und Leuten ging als Erbe über dessen Schwester Anflis an ihren Gemahl, Hemmann von Rüssegg.
Der letzte Herrscher, Thüring von Arburg, starb kinderlos.
Der Niedergang des Rittertums zeichnete sich aber bereits schon Mitte des 14.Jahrhunderts ab und gipfelte in der Niederlage der Habsburger in der Schlacht bei Sempach (1386). Die Stände gewannen nun zunehmend an Macht und der sinkende Einfluss der Freiherren hatte auch finanzielle Folgen.
So mussten Gebietsteile abgetreten werden und Geuensee fiel schon 1424 an Luzern. Am 28. Februar 1455 schliesslich wurde die Herrschaft Büron zum Preise von 5000 Gulden an die Stadt Luzern verkauft.
Die Burg wurde danach bis ca. 1540 noch weiter bewohnt. 1560 erschien sie aber bereits als Ruine. Die Holzbalken wurden nach Luzern geschafft und beim Bau des neuen Rathauses an der Reuss wiederverwendet. Der Rest der Burg diente als willkommener Steinbruch.
Foto von 1908 mit den Resten der Burg
Nach 1455 wurde von der Stadt Luzern die Landvogtei Büron - Triengen gegründet.
Neben den üblichen Aufgaben wie Land verpachten und Steuern eintreiben, oblag der Landvogtei Büron auch die so genannte „niedere Gerichtsbarkeit“.
Die niedere Gerichtsbarkeit befasste sich i. d. R. mit geringen Delikten des Alltags, welche mit Geldbussen oder
leichteren Leibstrafen (Pranger o. ä.) sühnbar waren.
Leichte Straftaten waren z. Bsp. Waldfrevel, Überackern, Übermähen, zu viel Vieh auftreiben und Zäune versetzen usw.
Unsere Landvogtei konnten aber auch die „hohe Gerichtsbarkeit“ ausüben, obwohl diese Aufgabe der Grafschaft Willisau und der Stadt Luzern zugestanden wäre.
Folter, schwere Leibstrafen oder Todesurteile fielen unter die „Hohe oder auch Blutgerichtsbarkeit“. Diese wurden für Kapitaldelikte wie Diebstahl, Raub, Mord, Totschlag und Notzucht, sowie Straftaten wie schwere Ehrverletzungen und Brandstiftung etc. verhängt. Solche Urteile konnten auch auf dem Galgenrain in Büron vollstreckt werden.
Die Landvogtei Büron/Triengen hatte bis zur Helvetischen Revolution von 1798 Bestand.
Das neue Schulhaus
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Überreste der Burgruine noch gut sichtbar.
Im Jahre 1912 wurde auf dem Burghügel mit dem Bau des neuen Schulhauses begonnen. Beauftragt wurden die Architekten H. Meili- Wipf und F. Amberg.
Aufrichte Dachstuhl 1913 1) Architekt Armin Meili-Wipf, Luzern
2) Baumeister Otto Estermann, Sursee
3) Zimmermeister Hans
4) Simon Häfliger, Büron
Der Neubau beherbergte damals schon sechs zentral beheizte Klassenzimmer, die Gemeindekanzlei, die Arbeitsschule und zwei Lehrerwohnungen nebst Brausebad, Turnhalle (gleichzeitig der Gemeindesaal) und die Suppen- und Milchküche.
Ausführung und Ausstattung des Schulgebäudes sind als Meisterleistung schon früh umfänglich beschrieben worden.
So rühmte Dr. Jules Coulin, Basel in der „Schweizer Baukunst“ Band XI von 1914:
„Mit Recht hat man das Schulhaus in Büron als eine Baute im Sinne des Heimatschutzes bezeichnet. Man denke nur, wie kastenförmig und banal noch vor einem oder zwei Jahrzehnten solche Dorfschulhäuser erstellt wurden, weil man an bodenständige, ästhetisch erfreuliche Formen gar nicht erst dachte oder einer vermeintlichen Ersparnis von einigen Tausend Franken Baugeldern opferte“.
Die Bausumme betrug damals übrigens einschliesslich Kanalisation, Terrassierung, Strasse und eines Teiles der Möblierung gerade einmal 150'000,-- Fr. Für den Schulhausbau wurden die restlichen Steine der alten Burg wieder verwendet und somit bleibt uns immer etwas von der alten Burg erhalten.
Die Einweihung fand mit einem grossen Volksfest am 4.Mai 1913 statt.
Programm zur Einweihung des neuen Schulhauses von Büron vom 4. Mai 1913
9:30 Uhr Kirchliche Feier, Ansprache von Hochw. Herr Pfarrer Frdl. Frey
10:00 Uhr Kirchliche Einweihung des neuen Schulhauses
12:30 Uhr Sammlung der Schuljugend & der Festteilnehmer beim alten
Schulhaus
14:00 Uhr Abholung der Gäste beim Bahnhof & Begleitung derselben auf
den alten Schulhausplatz *
14:30 Uhr Abschiedfeier beim alten Schulhaus, Ansprache von Lehrer
Jakob Wiss & zwei Vorträge der Vereine
15:00 Uhr Festzug durchs Dorf zum neuen Schulhaus nach der
vorbestimmten Zugsordnung. Offizielle Feier daselbst
17:00 Uhr Zug ins Dorf zum Gasthaus zum Löwen **
Bankett für titl. Behörden, Ehrengäste & Lehrer
20:30 Uhr Feuerwerk & Beleuchtung des neuen Schulhauses
21:00 Uhr Schlussfeier
Anmerkung:
* Das alte Schulhaus stand hinter der heutigen Mehrzweckhalle
** Das Gasthaus zum Löwen stand gegenüber Möbel Lütolf
Das prächtige Schulhaus oben auf dem Burghügel Ein Geissbock im Wappen ziert den Giebel des Schulhauses.
August 2017 V.S.